docteur poisson – wie mich die Einheimischen zu nennen pflegten!
- Juli 6th Juli 2010
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Da ich ein Liebhaber von klaren Strukturen, strategischen Zeitplänen und geregelten Abläufen bin, habe ich meine Ferien dieses Jahr streng nach dem AMKMKSAM-Prinzip (Aufstehen, Morgenessen, Kultur, Mittagessen, Kultur, Strand, Abendessen, Ausgang) verbracht. Aufgrund der Tatsache, dass das letzte „A“ in direktem Zusammenhang mit dem darauf folgenden Morgen steht, wurde die AMKMKSAM Strategie bereits am zweiten Tag wieder gekippt und ich konnte mich nun voll aufs Rumlümmeln am Strand konzentrieren.
Vermutlich ist es eine bestimmte Kombination von Sonne, Salzwasser und diesen kleinen angeschwemmten Muscheln, welche die Gehirne der Menschen durchbrennen lässt, sobald sie mit einem Zeh im Wasser stehen – und spätestens nach zwei Stunden ist man voll und ganz im Bilde, mit wem man es zu tun hat:
Da war das deutsche Pärchen, ca. 30 Jahre alt, Lufthansa Badetuch: Sie musste sich mit der letztjährigen Sonnencreme (Schutzfaktor 10) begnügen, weil die neue (Faktor 30) 13 Euro gekostet hätte und der Herr nicht gewillt war, so tief in die Tasche zu greifen. Zitat: „Ich hab dir dafür nen Salat mitgebracht!“
Ganz vorne natürlich: Die ewig jung gebliebene, welche ganze Reihen von Liegestühlen mit ihren Turnübungen erheiterte. Ihren Mann schickte sie derweilen auf lange Strandspaziergänge oder den TV in der Strandbar oder gab ihm sonst irgendwas zu tun – und ich konnte es mir wieder mal nicht verkneifen:

Über die zwei „guten Freunde“ verliere ich an dieser Stelle keine Worte – auf jeden Fall haben sie jeden Morgen sehr freundlich gegrüsst.
Und obwohl es so viel zu beobachten gab, hatte ich den „Dirk Gently“ bereits nach zwei Tagen durch. Lesestoff wurde benötigt – dringend! Leider war alles was die Import/Export Abkommen mit dem deutschsprachigen Raum hervorbrachten eine Schweizer Tageszeitung vom Vortag und etwas, was ich mich niemalsnicht in der Öffentlichkeit zu lesen getraut hätte.

„Die Kanonen von Daucah sangen ihr dröhnendes Todeslied“
Echt starker Tobak und auf gar keinen Fall zu empfehlen – genau wie die Pizzen. Wer sich auf Korsika eine Pizza bestellt, hat den ersten Schritt auf dem Weg zu einem der unzähligen, wild animierten Apothekenschilder, auf welchen man auch bequem hätte ein Länderspiel übertragen können, bereits getan. Etwas ähnlich ekelhaftes – soweit ich mich erinnern mag – hatte ich nur einmal auf einem Südfrankreich-Trip „Chez Jean-Marc“ im gleichnamigen Bistro als ich die Spezialität des Hauses probierte und das obligate „excellent, m’sieu“ bleibt einem irgendwo tief im Halse stecken.
Im krassen Gegenteil zum Bier! Das hingegen, schmeckt hervorragend. Die Brauerei Pietra erfuhr sogar einen regelrechten Aufschwung und baute ihre Anlage um mehrere grössere Hallen aus, welche sie aber kurz nach meiner Abreise bereits wieder schliessen musste.
Fazit: Wenn man sich das miese Hotel, das schlechte Essen, den überfüllten Strand, das zu heisse/kalte/windige Wetter und die unfreundlichen Leute wegdenkt, hätten es eigentlich schöne Ferien werden können!
Fazit 2 (diesmal im Ernst): Schön war’s!



