Schöne Ferien
- Juni 26th Juni 2006
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21 Stunden nach Abfahrt in Basel haben wir endlich unser Reiseziel erreicht.
Krasse 21 Stunden – der Fish muss in den letzten verborgenen Winkeln der Welt zur Erforschung unentdeckter Naturvölker unterwegs sein, denkt Ihr jetzt vermutlich – die Realität ist jedoch um Längen unspektakulärer.
Rügen, wir sind auf Rügen. In der ehemaligen Vogelgrippe Hochburg, wo alte Leute in neuen Autos die holprigen Pflasterstein-Strassen unsicher machen.
Warum wir 21 Stunden für diese knapp 1′200 Kilometer brauchten? Naja, der Autozug fuhr einfach nicht schneller. In Stuttgart haben wir verladen und dann unser Reich für die nächsten 18 Stunden bezogen. Ein Fünferabteil mit Maximalbelegung von vier Personen sollte es sein, denn was anderes ist eigentlich gar nicht bezahlbar, es sei denn, man hätte beim letzten Goldrausch seinen Claim richtig abgesteckt und die gefundenen Nuggets nicht im Saloon versoffen. In diesem winzig kleinen Abteil hatte auch unser Schutzengel bereits seinen ersten Auftritt. Glaubten wir zunächst noch, wir hätten das Abteil für uns allein, wurden wir bei unserem ersten Halt in Frankfurt eines besseren belehrt. Unser Abteil wurde von einem Griesgrämigen alten Ehepaar gestürmt und noch bevor man guten Tag sagen konnte hiess es: „Wir schlafen unten, wir haben nämlich Reserviert!“ Na das kann ja noch heiter werden.
Nach einer Viertelstunde, auf unerträglichkeits Level „mit fünf verschwitzten Pavianen ein Wochenende im Lift stecken bleiben“, erbarmte sich der Zugbegleiter unserer (oder unserer neuen Freunde, dass wissen wir nicht) und schickte die Zwei in ein freies Abteil in einem anderen Wagen. Auf das bestellten erst mal ne Flasche Wein und gaben ordentlich Trinkgeld.
Zurück nach Rügen: Die Ostsee ist ne Sau! 16 Grad kalt und voller Algen. Da muss ich nicht unbedingt rein, wirklich nicht. Viel lieber beschränkten wir uns auf lange Strandspaziergänge, deren Romantik aber in den jeweiligen FKK Abschnitten jäh unterbrochen wurde. Wenn sich nämlich Tante Jutta drei Meter vor dir nach ner Muschel bückt, sind das Bilder an denen man lange zu knabbern hat. Die gehn da nicht einfach wieder weg, die brennen sich direkt und ohne das “irgendwann mal vergessen Kreuz” zu setzen, in deinem Gehirn fest. Falls jemand ähnliche Erfahrungen gemacht hat, bitte ich um Ratschläge!
Das Benzin hier ist übrigens, wie in ganz Deutschland, schweineteuer. Eineuronoindreiss’sch kostet der Liter Bleifrei, wobei Bleifrei hier normal heisst und Super eigentlich Bleifrei ist. Kapiert? Eben! Und ich wunderte mich noch warum meine Karre so schlecht läuft. Zuerst schob ich die Schuld auf die dünne Luft “hier oben” – wobei diese auf Meereshöhe so dünn ja gar nicht sein kann. Bis ich dann merkte, dass ich immer 91 Oktan tankte. „Normales bleifrei“ eben. Aber warum sollte es meinem Auto auch besser gehen als mir selbst? Schliesslich musste ich mich ja auch in jeder zweiten Knille mit „Lübzer, Freiberger, Köstritzer und co.“ begnügen. Alles wirklich – WIRKLICH – üble Biere. Schimpfen die sich Biernation und brauen solche Plörre. Mir läuft’s jetzt noch eiskalt den Rücken runter.
Lübzer (Das widerlichste) kann man übrigens ganz einfach selbst herstellen: Man nehme eine herkömmliche Flasche Bier, lässt deren Inhalt durch ein nasses Hundefell sickern und stellt dann das Braugut drei Stunden in die Mittagssonne. Prost!
Die Heimreise war kurz und Schmerzlos:
– 1′200 Kilometer, wovon die Navidame uns über eine Stunde durch die Pampas krächzte, anstatt der Roten dicken Strasse zu folgen.
– 12.5 Stunden Fahrzeit. Ankunft um 20h45. Pünktlich zum Anpfiff des Schweiz – Südkorea Spiels hatte ich eine eiskalte Dose Feldschlösschen in der Hand (vermutlich hätte ich jetzt auch kochendes Lübzer getrunken).
– 1 Blitz wahrgenommen, Potential für mehr vorhanden. Was da mein Flensburger Punktekonto wohl dazu meint?
– Die Anzahl Tankstopps verrate ich jetzt nicht, da ich mich vor Greenpeace Aktivisten fürchte.
Insgesammt rundum gelungene Ferien, Fotos folgen sobald diese entwickelt sind.
Hallo Welt, hiermit melde ich mich offiziell aus den Ferien zurück!

