Kleine Pyromanen
- Juli 31st Juli 2007
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Immer in den Wochen um den ersten August muss ich wehmütig an alte Zeiten zurückdenken.
Wir wurden alle schon früh von der Magie des Schwarzpulvers angezogen und dementsprechend gross war auch die Freude, wenn man Kracher und Raketen im Laden um die Ecke kaufen konnte und diese nicht erst mühselig im Fahrradrahmen versteckt über die Grenze schmuggeln brauchte.
Es herrschte jeweils Ausnahmezustand in unserem Quartier und der Fantasie war keine Grenzen gesteckt. Alles wurde gesprengt, nichts und niemand war vor uns sicher. Kein Hundehaufen und auch nicht die Weicheier vom Giessliwäg – eine verfeindete “Strassengang” aus einer Überbauung in der Nachbarschaft.
Auch der alte hohle Baum auf unserem Spielplatz, welcher sich optimal als Startrampe für diverses pyrotechnisches Material anbot, blieb nicht verschont. Nunja, der Baum war gross und unser Sprengmaterial verhältnismässig klein und trotzdem reichte plötzlich der Sand aus dem Sandkasten nicht mehr um das entstandene Feuer zu löschen. Irgendein Fenstergucker hatte dann auch prompt die Feuerwehr gerufen. Wir waren alle ziemlich beeindruckt und der “Hauptschuldige” hatte sich längstens aus dem Staub gemacht, aber Tränen gab’s dann erst später, als einem Kumpel eine Rakete in seinem Feuerwerks-Sack explodierte. Er war somit nachmittags um vier bereits komplett ausgeschossen – im wahrsten Sinne des Wortes – und für ihn war der grosse Tag gelaufen.
Mit noch etwas weniger Glück war an diesem Tag der Dani* gesegnet, unser Spezialist für selbstgebautes. “Spezial” übrigens im Sinne von “speziell” und nicht “spezialisiert”, aber dazu gleich mehr…
Dani hatte eine ganze Menge von diesen “Pfeiff-Knall” Billigraketen aufgetrennt und das Pulver in einem Plastikbecher gesammelt. Sein Plan war es, diesen Becher mit einer langen Zündschnur von einem Bündel “Frauefürz” in Brand zu setzen. Dies klappte auch ganz gut bis die Lunte den Becherrand erreichte welcher sofort schmolz und die Zündschnur hängen blieb.
Dani ging zum Becher…
Pass auf Dani…
*zisch*fitzel*…
armer Dani!
Zum Glück war Dani Brillenträger!
Dani hatte in diesem Moment spontanen Haarausfall bis mitte Hinterkopf und schaute etwas perplex aus der Wäsche. Weisse Ringe um die Augen (von der Brille) zierten seinen schwarzen Kopf – die Ähnlichkeit zur Schleiereule aus Brehms Tierleben war frappant. Er nahm die ganze Angelegenheit erstaunlich gelassen, putzte seine Brille und stutzte den Rest seiner verbleibenden Haare zurecht. Weiter geht’s, es herrscht ja schliesslich Krieg im Quartier – am ersten August!
Liebe Kinder, bitte nicht nachmachen!
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*Name geändert!


